Buls bleibt Buls

Hagleitner und Buls „passen zusammen“. Mit der Übernahme von Buls strebt Hagleitner auch in der Objekthygiene die Marktführerschaft an.
Hans Georg Hagleitner und Buls-Geschäftsführer Harald Lembacher im Interview.

Text: Hansjörg Preims

Reinigung aktuell: Wie ist dieser Deal zustande gekommen? Wer hat sich zuerst an wen gewandt? 

Harald Lembacher: Seit ich vor 19 Jahren mit Buls begonnen habe, hatten wir immer wieder mit Hagleitner Kontakt – aus gegenseitigem beruflichen Interesse. Und jetzt ist es konkretisiert worden. 

Reinigung aktuell: Auf welcher Seite gab es den entsprechenden Auslöser? 

Hans Georg Hagleitner: Mich hat das Unternehmen Buls wegen seiner Kompetenz im Bereich des Gebäudereiniger-Segments und der Objekthygiene immer schon interessiert. Nachdem die anderen Gesellschafter von Buls in Pension gegangen sind, war dann die Frage, wie es weitergeht. Und da wir beide, Herr Lembacher und ich, davon überzeugt sind, gut zusammenarbeiten zu können, wollten wir das auch praktizieren und zusammen einiges bewegen. Das hat letztlich dazu geführt, dass dieses Geschäft abgewickelt werden konnte. 

Reinigung aktuell: War auch ein externer Berater involviert? Oder haben die zwei Gesellschaften diesen Deal allein abgewickelt?

Hagleitner: Ein externer Berater hat uns zusammengeführt, die Gespräche zwischen Buls und Hagleitner haben dann direkt stattgefunden.

Reinigung aktuell: Schon vor einigen Jahren gab es bezüglich Buls in der Branche Verkaufsgerüchte, die damals aber dementiert wurden. War das nur eine Desinformation von anderer Seite?

Lembacher: Es war so, dass es auf Seiten unserer Marktbegleiter immer wieder und verstärkt die letzten Jahre konkretes Interesse an Buls gab. Vermutlich aufgrund unseres stetigen Erfolges und weniger wegen der Pensionierung von Gesellschaftern. Es war aber beim Interesse geblieben. Aber auch bei Buls intern wuchs in den letzten Jahren der Druck, die Nachfolge für die zwei schon seit mehreren Jahren pensionierten Gesellschafter zu regeln. Und da wir Gesellschafter in unserem Verwandtenkreis keinen Nachfolger hatten, musste man eine andere Lösung anstreben.

Reinigung aktuell: In der Presseaussendung zur Übernahme wurden auch die vielen Synergien, die sich daraus ergeben würden, betont. Welche Synergien konkret?

Hagleitner: Wir sehen in Buls den Spezialisten im Bereich der Gebäude­reinigung und der Objekthygiene, mit sehr viel entsprechender Kompetenz und einer guten Vernetzung in den erforderlichen Gremien sowie mit sehr kompetenten Mitarbeitern. Das stellt für Hagleitner eine Bereicherung dar und kann konzernweit dazu beitragen, dass wir auch in der Objekthygiene zukünftig die Marktführerschaft anstreben können. 

Reinigung aktuell: Unter Synergien kann man Synergien bei Produkten, bei Standorten, in der Buchhaltung oder im Vertrieb verstehen. Ist zu diesen Themen schon etwas angedacht oder schließen Sie etwas davon aus?

Hagleitner: Buls bleibt eigenständig, aber natürlich wird es Wissenstransfer und im Hintergrund Erfahrungsaustausch geben, um die Dinge auf beiden Seiten noch besser machen zu können. Beide  Unternehmungen haben ihre jeweiligen Stärken, und von den Stärken des jeweils anderen sollen beide profitieren.

Reinigung aktuell: Gibt es Pläne für Standort-Zusammenlegungen?

Hagleitner: Derzeit nicht. Buls bleibt Buls, wie es ist, das ist die Botschaft, die wir auch unseren Mitarbeitern transportieren. Natürlich kann man Synergien in Richtung Ausbildung nutzen, das heißt: Hagleitner ist mit der eigenen Akademie sehr international aufgestellt, wo wir mit dem Wissen von Herrn Lembacher, den Gebäudereinigern und vielen anderen dann den Konzern Hagleitner auch mit mehr Wissen betreiben können. Aber Standort-Zusammenlegungen sind derzeit kein Thema. Die erste Aufgabe ist jetzt einmal, uns über das zukünftige Produkt-Portfolio Gedanken zu machen, speziell bei den Hilfsmitteln, bei Maschinen und Zubehör. Da hat Buls eine Kompetenz. Hagleitner wird zukünftig bei seinen Kunden Buls klarerweise empfehlen. Das wird auch bedeuten, dass wir im Maschinenbereich mit diesen Synergien wesentlich mehr bewegen können.

Reinigung aktuell: Könnte man es so formulieren, dass sich Hagleitner mit Buls eine neue Zielgruppe kauft?

Hagleitner: Das könnte so verstanden werden, sprich: dass Hagleitner mit diesem Erwerb ein neues Kundensegment erschließt. Nun ja: Hagleitner will vom Wissen hier im Bereich der Objekthygiene durchaus profitieren und zukünftig Kunden noch besser beraten können.

Reinigung aktuell: In Ihrer Presseaussendung steht auch, die zwei Unternehmen würden sich perfekt ergänzen. Meinen sie damit, die perfekte Ergänzung durch eine fremde Firma, die eine Zielgruppe anders aufbereitet, als Hagleitner es selbst tun könnte? Oder wird Ihr Außendienst auch Buls vertreiben?

Hagleitner: Wir, Hagleitner, haben heute keine Kunden im Gebäudereiniger-Sektor, wir haben aber die richtigen Produkte für den Gebäudereiniger in den Bereichen Waschraum, Küche und Wäsche. Buls hat das Netzwerk mit diesen Gebäudereinigern, und das gibt uns die Möglichkeit, in diesen Kundensegmenten zukünftig erfolgreicher und wissender tätig zu sein. 

Reinigung aktuell: Leser dieses Interviews werden sich auch die Frage stellen, ob die Marke Buls irgendwann verschwinden wird. Wird sie das?

Hagleitner: Wie gesagt, Buls bleibt Buls. Wir haben nicht vor, die Marke Buls verschwinden zu lassen.

Lembacher: Wenn es Freude macht, wollen wir möglichst lange gemeinsam arbeiten, wie lange, das hängt von vielen Faktoren ab. Es freut mich jedenfalls, in der Gruppe Hagleitner mitwirken zu können, ich bringe gern meine 30 Jahre Branchenerfahrung ein. 

Reinigung aktuell: Thema Unternehmenskultur. Überspitzt formuliert, gilt Buls in der Branche als der „Gute“ bzw. als ein „freundliches“ Unternehmen, Hagleitner eher als ein „scharfes“ Unternehmen. Kann man, wenn man so schnell wächst wie Hagleitner, nicht nur „ein Guter“ sein? Schließlich muss ein solcher Unternehmer ja auch harte Entscheidungen treffen …

Hagleitner: Wir sind ein Familienunternehmen und treffen unsere Entscheidungen sehr wohl überlegt, und der Mensch steht dabei im Mittelpunkt. Wer sich engagiert, kann hier mitgestalten. Wir sind Pioniere, wir wollen wachsen und sehen den höchsten Wert des Unternehmens in unseren Mitarbeitern. 

Reinigung aktuell: Die beiden Unternehmenskulturen, auch wenn es ein Großer und ein Kleiner ist, passen gut zueinander?

Hagleitner: Davon bin ich überzeugt.

Lembacher: Ich sehe Unterschiede zwischen den Firmen Hagleitner und Buls darin, dass Hagleitner sicher deutlich leistungsorientierter und professioneller ist. Und höhere Leistungsorientierung kann auch höhere Geschwindigkeit bedeuten, unter Umständen auch mehr Druck, aber ich meine das im positiven Sinn. Wir von Buls waren hier bisher einfach anders aufgestellt. Wir sind im Wissen, in der Ausbildung und in unserer Fachkompetenz besonders gut, und diese Unterschiedlichkeiten zusammenzuführen, darauf freue ich mich, damit kann ich mich zu 100 Prozent identifizieren und wahrscheinlich auch die meisten Mitarbeiter von Buls. 

Hagleitner: In der Branche kann man davon ausgehen, dass wir beide uns sehr gut verstehen – was letztlich auch zu diesem Deal geführt hat. Hagleitner investiert sehr viel auch in das Ausbildungswesen, wo Herr Lembacher zukünftig auch eine große Rolle spielen wird. Wir errichten eigene Akademie-Ausbildungsräume mit mehr als 2000 Quadratmetern, gehen das Thema Ausbildung also in großem Stil an, da für die Entwicklung von Hagleitner die Akademie gesamtheitlich auch länderübergreifend eine große Bedeutung einnehmen wird. Und da bekommen wir mit Herrn Lembacher sehr viel Know-how herein – und auch jemanden, der hier mitgestalten wird. Wir wollen es schaffen, den Kunden – auch den internationalen –, Berufsfachleuten und auch Mitarbeitern zukünftig ein sehr hohes Niveau an Ausbildung zu ermöglichen – und Buls zu internationalisieren.

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