Bodenbeschichtungen sind rückläufig

Tendenzen in Richtung Umweltschutz sowie neue, werkseitig immer mehr ausgestattete Belagsmaterialien lassen die Bodenbeschichtung durch den Gebäudereiniger tendenziell immer weniger werden.

Text Hansjörg Preims

Harald Lembacher

Harald Lembacher

Was hat sich bei Bodenbeschichtungen durch den Gebäudereiniger in den vergangenen Jahren an Entwicklungen getan? Harald Lembacher, Geschäftsführer der Buls chem & more GmbH und gerichtlich beeideter Sachverständiger für Gebäudereinigung: „Grundsätzlich ist der Lebenszyklus von Bodenbeschichtungen extrem lang, daher hat sich in den letzten 30 Jahren bei den Beschichtungen kaum etwas getan.“ Es gebe aber Tendenzen in Richtung Umweltschutz: „So sind gewisse Rohstoffe bei Beschichtungsmitteln herausgenommen worden, metallvernetzte Beschichtungen zum Beispiel sind eher in den Hintergrund getreten zu Gunsten von metallsalzfreien Beschichtungen, die umweltfreundlicher sind. Und auch bestimmte Lösungsmittel sind weggekommen wie zum Beispiel Phthalate, welche als Weichmacher dienen. Ansonsten sind die Beschichtungen die gleichen geblieben.“ Durch ihre Umweltfreundlichkeit seien die Beschichtungen aber nicht besser geworden, sondern von der Härte her ungefähr gleich, „und von der Entfernbarkeit bzw. zum Grundreinigen sind diese metallsalzfreien Beschichtungen etwas schlechter. Aber eben umweltfreundlicher.“

Werkseitig immer mehr ausgestattet

So viel zum chemischen Teil. Eine weitere Frage ist, ob Böden noch so viel beschichtet werden wie etwa vor 10 Jahren. Lembacher: „Ich denke, es wird immer weniger beschichtet, aber nicht weil der Kunde oder der Gebäudereiniger das nicht will, sondern weil immer mehr Böden nicht beschichtet werden müssen.“ Die klassischen PVC-Homogenbeläge oder die klassischen Lino-Beläge würden in Neubauten kaum noch verlegt. Man sehe auch auf Bodenbelags-Fachmessen, dass diese herkömmlichen Bodenbeläge, die beschichtet werden mussten – PVC-Homogen und Lino – kaum noch angeboten werden. „Die neuen Beläge sind z.B. Vinyl, die nicht beschichtet werden brauchen, oder zum Beispiel die relativ umweltfreundlichen Kautschuk-Beläge, die auch zum Großteil nicht beschichtet werden müssen. Und wenn Lino oder andere Böden, dann sind diese meist mit einer Polyurethan-Schicht oder anderem Floor-Finish ausgestattet und müssen daher auch nicht beschichtet werden“, erklärt Lembacher. „Aus diesen Gründen, nämlich dass die Böden werkseitig immer mehr ausgestattet werden, wird die Bodenbeschichtung durch den Gebäudereiniger tendenziell immer weniger.“ Eine weitere Rolle mag für den Experten dabei auch ein gewisser Nachhaltigkeitsgedanke spielen: „Das heißt, Beschichtungen und die wiederkehrende Grundreinigung – das ist generell von der Umweltfreundlichkeit her nicht optimal, eine Umweltbelastung, die man nach Möglichkeit vermeidet.“ Ganz speziell der Grundreiniger, meistens ein hoch alkalischer Lösungsmittelreiniger, werde immer mehr verdrängt von rein mechanischen Grundreinigungen mit Diamantpads. Und das funktioniere auch perfekt. Der Boden werde dabei nicht zerstört, sondern es werde nur die Beschichtung mit Diamantpad und Wasser abrasiv entfernt. Wofür es vorher Chemie gebraucht habe, umweltbelastende hoch alkalische Lösungsmittel-Grundreiniger, könne man mittlerweile mechanisch gleich gut machen.

Stein- und Holzböden

Holzbeläge werden sehr selten beschichtet, denn die Grundreinigung, egal ob chemisch oder mechanisch mit Diamantpads, muss nass durchgeführt werden, und das ist bei Holz, weil wasserempfindlich, ein Problem. In ganz wenigen Fällen wird es aber nach wie vor gemacht. „Bei Steinboden ist es so, dass auch hier die Beschichtung rückläufig ist“, stellt Lembacher fest – „weil immer mehr Leute in der Gebäudereinigung gut ausgebildet sind und in den Ausbildungsstätten zurecht gelehrt wird, dass man Stein generell nicht beschichten soll, weil man dadurch die Atmungsaktivität (Wasserdampfdiffusionsfähigkeit) verschlechtert.“ Bei Terrazzo-Kunststeinböden sehe man es noch häufig, aber Naturstein werde normalerweise nicht beschichtet. „Also auch hier sind Beschichtungen rückläufig.“
Und wo noch beschichtet wird, geht da der Trend eher zu glänzend oder matt? Lembacher: „Der Kunde möchte es meistens hochglänzend, dennoch gibt es einen eindeutigen Trend zu matten Beschichtungen. Der Vorteil ist, dass die matte Beschichtung von der Erhaltung der Oberflächen-Optik einfacher ist, während eine hochglänzende Beschichtung im neuverlegten Zustand durch Strapazierung bzw. durchs Begehen sehr schnell abgetreten wird und man den Eindruck hat, dass die Beschichtung schneller kaputt wird.“ Glanz sei ja nichts anderes bzw. werde gemessen als Reflektion: „Man streut Licht – meistens in einem Winkel von 60 Grad – auf die Oberfläche, ein Teil davon wird reflektiert und das wird gemessen. So hat eine hochglänzende Beschichtung 80 Prozent Reflektion, eine matte etwa 40 Prozent, und diese 40 Prozent zu halten, ist viel einfacher als ein Hochglanz mit 80 Prozent Reflektion.“ Deswegen dieser Trend zu matten Böden.
„Grundsätzlich“, so Lembacher, „sollte nur dort beschichtet werden, wo es unbedingt notwendig und wo es wirtschaftlich vernünftig ist. Denn es gibt andere Methoden, man kann Wischpflegemittel polieren – Highspeed Methoden –, man kann mittlerweile PVC, Linoleum und Kautschuk-Beläge mit Diamantpads polieren und hat so auch einen Hochglanz sowie eine schmutzabweisende Oberfläche. Also nur dort beschichten, wo es wirklich sein muss.“ Zum Beispiel im Krankenhaus, wo es aus Hygienegründen vorgeschrieben sei, die alte Beschichtung in relativ kurzen Zyklen zu entfernen und immer wieder neu zu beschichten – in wenigen Monatsabständen. „Der normale Zyklus Beschichten – Grundreinigen – Neubeschichten ist meistens jährlich, zum Beispiel in Schulen.“

Ersteinpflege – wann, warum?

„Die Ersteinpflege gibt es normalerweise nur bei gewissen Kautschuk-Böden“, so Lembacher, „und sie hat den Sinn, dass der Boden schnell eine schöne Optik und eine schmutzabweisende und homogene Oberfläche bekommt.“ Aus Erfahrung wisse er aber, dass es da sehr oft Schwierigkeiten gebe, nämlich dass der optische Zustand nicht optimal sei oder dass die Beschichtung nicht gut halte bzw. auch meistens sehr weich sei. Dafür gebe es verschiedene Gründe: „Zum einen, wenn man es nicht richtig macht bzw. nicht richtig gelernt hat, zum anderen ist der Kautschuk-Belag problematisch bezüglich Haftung der Beschichtung. Aufgrund dieser Problematik ist die Beschichtung auch hier rückläufig.“
Wobei Lembacher als Sachverständiger weiß: „Die meisten Probleme in der Gebäudereinigung treten bei Glas bzw. Glasbeschädigungen auf, aber die zweithäufigsten Schäden betreffen Bodenbeschichtungen – Probleme durch falsches Arbeiten, Teilbeschichten beim Grundreinigen, allein das ist schon ein Grund, dass man versucht, es eher zu vermeiden.“ Fehler bei der Grundreinigung wie zu schlecht bzw. zu wenig nachgewaschen, Rückstände am Boden vom Grundreiniger, der Boden nicht ganz trocken, direkte Sonneneinstrahlung, Zugluft – hier gebe es viele Ursachen für Fehler. Umso mehr gelte, „dass man Grundreinigungen und Beschichten nur Profis machen lassen sollte – die aber nicht immer verfügbar dafür sind.“

Ing. Mag. Harald Lembacher MSc, MBA, ist Geschäftsführer der BULS chem&more GmbH sowie gerichtlich beeideter Sachverständiger für Gebäudereinigung

 

written by

The author didn‘t add any Information to his profile yet.

Leave a Reply

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.