Bodenbeschichtung quo vadis?

In den letzten Jahren konnten Anwender davon überzeugt werden, dass auf vielen Oberflächen eine Bodenbeschichtung keine Vorteile, sondern eher Nachteile bringt – und oft auch nicht möglich ist.

Text Hansjörg Preims

Bodenbeschichtungen sind eindeutig rückläufig, wie Reinigung aktuell in der heurigen März-Ausgabe berichtete. Demnach – bzw. BULS-Geschäftsführer Harald Lembacher zitierend – „wird immer weniger beschichtet, nicht weil der Kunde oder der Gebäudereiniger das nicht will, sondern weil immer mehr Böden nicht beschichtet werden müssen.“ Die klassischen PVC-Homogenbeläge oder die klassischen Lino-Beläge würden in Neubauten kaum noch verlegt, und die neuen Beläge, z.B. Vinyl, bräuchten nicht beschichtet werden. Oder zum Beispiel die relativ umweltfreundlichen Kautschuk-Beläge, die auch zum Großteil nicht beschichtet werden müssten. Und wenn Lino oder andere Böden, dann seien diese meist mit einer Polyurethan-Schicht oder anderem Floor-Finish ausgestattet und müssten daher auch nicht beschichtet werden. Daher werde die Bodenbeschichtung durch den Gebäudereiniger tendenziell immer weniger (aber auch der Nachhaltigkeitsgedanke spielt eine Rolle).
Ist die Bodenbeschichtung also im Begriff, ihre Berechtigung zu verlieren? Gerhard Apfelthaler, Leiter des Sigron-Schulungszentrums: „So drastisch würde ich es nicht bezeichnen und eher zu der Aussage tendieren, dass Bodenbeschichtungen nicht mehr überall notwendig oder geeignet sind. In der Vergangenheit gab es in öffentlichen Gebäuden kaum eine Belagsoberfläche, welche nicht von Dienstleistern oder Eigenreinigungspersonal beschichtet wurde, selbst auf Steinböden, Holzböden und sogar keramischen Fliesen wurden Dispersionen und Emulsionen aufgebracht. Gott sei Dank konnten aber in den letzten Jahren Anwender davon überzeugt werden, dass auf vielen Oberflächen eine Bodenbeschichtung keine Vorteile, sondern eher Nachteile bringt und auch oft nicht möglich ist.“

Oft unerlässlich für den Werterhalt

Es würden zwar immer weniger elastische Beläge ohne Werksvergütung in Neubauten verlegt, man dürfe aber, so Apfelthaler, „nicht vergessen, dass viele Altbestände von solchen Belägen noch in öffentlichen und privaten Gebäuden verlegt sind und ein zeitnaher Austausch hier oft auch aus wirtschaftlichen Gründen nicht möglich ist.“ Gerade bei diesem Altbestand seien der Schutz und die Pflege durch Bodenbeschichtungen oft unerlässlich, um den Werterhalt solange wie möglich zu gewährleisten. Selbst bei den Böden mit Werksbeschichtungen würde er sich nicht bei allen Systemen zu der Aussage hinreißen lassen, dass hier nie eine Bodenbeschichtung zum Einsatz kommen müsse. Und: „Diese Werksbeschichtungen meist auf Basis PUR verleihen den Böden, wenn sie neu sind, eine geschlossene Oberfläche, welche die Aufnahme von Schmutz im Belag reduziert. Solange die Werksbeschichtung intakt ist, haben diese Böden auch gute reinigungstechnische Eigenschaften und kommen ohne aufwändige Pflegeverfahren wie zum Beispiel Grundreinigung mit anschließender Bodenbeschichtung aus.“
Was aber, wenn diese Werksbeschichtungen nicht mehr vollständig intakt sind? Wenn der Schmutz plötzlich auf den abgelaufenen Stellen haftet wie bei Belägen mit abgelaufener Dispersion oder Emulsion? Apfelthaler: „Hier entstehen dann erfahrungsgemäß Probleme, welche sich nicht so einfach lösen lassen wie bei einer herkömmlichen Bodenbeschichtung. Meistens muss dann aufwändig saniert werden, um wieder eine gleichmäßige Oberfläche zu erhalten, und nicht selten wird der Boden dann auch beschichtet, um wieder eine homogene Oberfläche zu erhalten.“

Vermeidung von Sanierungskosten

Christoph Guserl, Geschäftsführer der Gebäudereinigungsakademie: „Bodenbeschichtungen in Form von Polymerdispersionen oder -emulsionen sind heutzutage noch ein wichtiger Faktor zum Thema Werterhalt von elastischen Hartböden. Insbesondere für stark frequentierte Bereiche ist die fachgerechte Einpflege unumgänglich und ein Garant für die Langlebigkeit eines Bodenbelags. Bei unbeschichteten Linoleum- oder PVC-Böden, aber auch zum Teil Kautschukböden kann man bereits nach geraumer Nutzungszeit Gehstraßen und mechanische Verletzungen erkennen.“ Die Erfahrung zeige, dass werkseitige Schutzschichten für die Bauphase wichtig und ausreichend seien, aber bei starker Frequenz im Alltag sehr schnell beeinträchtigt würden. Grundreinigungszyklen könnte man sich durch Auspolieren des Pflegefilms durchaus verzögern.“ Leider seien Kunden oft nicht bereit, den Mehraufwand zu bezahlen, so Guserl. „Auch die vielmals angepriesenen PUR-Beschichtungen, die ja auf modernen Bodenbelägen, insbesondere Vinylböden, zum Einsatz kommen und von Grund auf sehr widerstandsfähig sind, können bei mechanischer Belastung nach einiger Zeit (meistens 2-5 Jahren) auf das Erscheinungsbild, speziell auf den Gehstraßen, negative Auswirkungen haben.“ Problematisch sei in diesem Fall die Sanierung, dass die Oberfläche wieder in einem gewünschten optischen Zustand instandgesetzt werde. Bei PUR-vergüteten Böden sei die Adhäsion der Polymerdispersionen und -emulsionen nicht gegeben, was zum Abpudern der Beschichtung führe.
Und Guserl weiter: „Leider wird in der Praxis oftmals nicht beachtet, dass strukturierte oder profilierte Beläge fachgemäß nicht mit herkömmlichen Beschichtungsmitteln eingepflegt werden. Fazit ist, dass aufgrund der verbesserten Beständigkeit der Bodenbeläge teilweise auf Polymerdispersionen oder -emulsionen verzichtet werden kann, in rege genutzten Bereichen die Einpflege jedoch im Sinne der Werterhaltung und Vermeidung von Sanierungskosten jedenfalls empfohlen wird.“

An individuelle Anforderungen anpassen

Mag. Mirjam Haag, hollu Senior-Produktmanagerin: „Grundsätzlich haben die klassische Grundreinigung und Beschichtung auf sehr vielen Bodenarten noch immer ihre Berechtigung. Bodenbeläge bleiben dadurch länger schön und die tägliche Reinigung geht leichter, da Verschmutzungen weniger stark am Boden haften.“ Zusätzlich zu Verschleißschutz, Werterhalt und Reinigungskomfort böten Beschichtungen auch die Möglichkeit, den Boden an individuelle Anforderungen anzupassen und die Oberfläche zum Beispiel mit Mattierung, Desinfektionsmittelbeständigkeit oder Rutschhemmung zu versehen. Bei beschichteten Böden bestehe zudem die Möglichkeit, durch Cleaner und Spray-Cleaner alte Beschichtungen zu regenerieren, den optischen Glanz aufzufrischen, Gehspuren zu entfernen und so die Schmutzabweisung wiederherzustellen.
Aber auch die hollu Senior-Produktmanagerin sieht den Trend, „dass Böden bereits bei Auslieferung über beständigen Oberflächenschutz verfügen.“ In diesem Fall empfiehlt sie, „von Beginn an Wischpflegeprodukte auf wasserlöslicher Polymerbasis zu verwenden und den Boden bei Bedarf zu polieren, um eine anhaltende neuwertige Optik sicherzustellen.“ Welche Methode die richtige sei, hänge auch in Zukunft von der Art des Bodenbelages, der Art der Beanspruchung sowie von den individuellen Anforderungen der Kunden und deren Wünschen ab“, so Haag.

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