Billiger, besser, effizienter

Mit einem Fremddienstleistungsbetrieb ist die Gemeinde auch viel flexibler und hat alle Sanktionsmöglichkeiten, bis hin zur Möglichkeit einer Neuausschreibung.“ Gerhard Komarek, Wiener Landesinnungsmeister der Gebäudereiniger und Berufsgruppensprecher der Bundesinnung, im Gespräch.

Gerhard Komarek

Gerhard Komarek

ReinigungAktuell: Welche Hauptvorteile ergeben sich aus der BIV Studie (Bundesinnungsverband der Deutschen Gebäudereiniger – s. S 20) für die Kommunen, wenn sie die Reinigungsdienstleistung auslagern?
Gerhard Komarek: „Es ist billiger, es ist besser, flexibler und effizienter.“

Welche Argumente verwenden die Gemeinden gegen das Outsourcing?
Komarek: Das Hauptargument gegen Outsourcing ist oft, dass dann lokales Personal gekündigt wird. Das stimmt ganz einfach nicht, denn der Dienstleister kann nur effizient arbeiten, wenn er lokales Personal nutzt – alles andere wäre zu teuer. Eine weitere Argumentation ist, dass die Kosten dann nicht viel sinken. Das stimmt ebenfalls nicht. Dazu kommt, dass es oft keine entsprechende Kostenrechnung gibt, wo auch alle direkten Kosten und Overheads erfasst und zugeordnet werden. Auch, dass die Qualität der Eigenreinigung besser ist, stimmt nicht. Die Dienstleister sind Profis und müssen sich einem scharfen Wettbewerb stellen. Wenn es heißt, Reinigungsfirmen bezahlen nicht gut, dann stimmt auch das nicht. Auch wir haben unseren Kollektivvertrag und unsere Sozialverpflichtungen. Diese Argumentationen gegen die Fremdreinigung stimmen also alle nicht. Ich glaube, politische Gründe spielen hier eine große Rolle – da geht es auch um Wahlstimmen.

Wie steht es um die schwer vermittelbaren Personen in der Gemeinde und dem oft reflexartigem „Niet“ der anderen Fraktionen?
Komarek: Gerade die Gebäudereinigungsdienstleister haben große Erfahrung mit Personen mit einfacherer Schulbildung und wenig Kenntnissen. Gerade in der Gebäudereinigung gibt es für diese Personen viele Chancen durch einfache Tätigkeiten und viele Angebote der Aus- und Weiterbildung. Und: die anderen Fraktionen werden Einsparungen von 35-50 Prozent bei der Reinigung wohl zustimmen!

Wie viele Reinigungsbetriebe sind im kommunalen Bereich tätig? Gibt es viele Auslagerungen oder weiß man das nicht?
Komarek: Eigentlich weiß man sehr wenig. Wir haben keine entsprechenden Statistiken oder Erhebungen, wir wissen nur, dass im Bereich der Kommunen und Gemeinden viel Potential steckt. Wir merken auch, dass sich sukzessive etwas verändert. Mit einem Fremddienstleistungsbetrieb ist die Gemeinde viel flexibler und hat alle Sanktionsmöglichkeiten, bis hin zur Möglichkeit einer Neuausschreibung. Einige haben das schon für sich erkannt und haben umgestellt.

Wäre es sinnvoll, den Betrieben eine Kurzfassung dieser Studie in die Hand zu drücken?
Komarek: Auf jeden Fall sollten wir den Betrieben Argumentationshilfen für die Akquisition geben. Vielleicht schreckt viele Gemeinden die Erstellung von Leistungsverzeichnissen, vielleicht haben sie Angst vor Ausschreibungen. Ich glaube, dass viele Gemeinden und Kommunen, die nicht so groß sind, sich bei der BBG anhängen könnten. Es gibt viele Firmen, die kleine regionale Lose gerne anbieten würden – speziell lokale Klein- und Mittelbetriebe.

Müssen die Gemeinden vor entsendetem Personal Angst haben?
Komarek: Das Hereinarbeiten ist in der Baubranche und im grenznahem Bereich ein Thema. Bei regelmäßigen Tätigkeiten wie der Reinigung und bei Arbeitszeiten von 6-9 oder von 16-19 Uhr ist es schlichtweg nicht attraktiv, Personal aus dem Ausland zu beschäftigen. Deshalb suchen sich die Firmen lieber Mitarbeiter aus den jeweiligen Ortschaften oder aus dem Umfeld. Das ist effizient und flexibel.

Thema Krankenstände…
Komarek: In der Studie werden Krankenstände bei der Eigenreinigung von durchschnittlich 12 Prozent, also ca. 24 Tage, angeführt. Laut Statistik Austria haben ja wir in der Gebäudereinigung Krankenstände um die 14 Tage pro Mitarbeiter pro Jahr. Das ist ein wesentlicher Unterschied, ob ein Mitarbeiter ein Monat ausfällt oder ein bis zwei Wochen.

Im Durchschnitt errechnet die Studie 34 Prozent Einsparung. Bei Gemeinden mit 10.000 bis 25.000 Einwohnern sind es zwischen 35 und 51 Prozent.
Komarek: In der Studie ist auch zu lesen, dass die Quadratmeterleistungen zwischen 115 und 150 liegen –  je nach Bereich. Unser Kollektivvertrag hingegen sieht 250 und mehr vor. Deswegen ergibt sich ja auch dieser Kostenvorteil bei der Fremdreinigung in der Höhe von 34 Prozent. Das wird bei uns in Österreich aufgrund der kleineren Strukturen vielleicht sogar noch deutlich höher sein.

Die Flexibilität und Professionalisierung ist auch ein Vorteil?
Komarek: Unbedingt. Die Transparenz- und Steuerungsmöglichkeiten sind bestechend. Die Gemeinde kann anschaffen: heute mehr, morgen weniger, nächste Woche nur eine Grundreinigung. Sie kann das Leistungsverzeichnis reduzieren oder erhöhen, und je nachdem ändern sich auch die zu bezahlenden Einsatzstunden – das geht mit Fix-Angestellten nicht. Ich kenne einige öffentliche Häuser in Wien, wo es einen Eigenreinigungs- und einen Fremdreinigungsbereich gibt. Der Fremdreinigungsbereich ist nahezu immer qualitativ besser und viel flexibler zu gestalten.

Warum sollte sich ein Dienstleister engagieren, wenn  er dann vielleicht nur eine Ausschreibung erreicht?
Komarek: Also, warum er sich das antun soll, wenn er dann ohnehin wieder vor einer Ausschreibung steht – ich denke, da sind wir als Interessensvertreter gefordert, vielleicht mit Ausschreibungsunterstützungen für die Gemeinden oder mit der BBG eine Lösung zu finden.

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