Baumpflege nach neuestem Stand der Technik und Wissenschaft

Hochqualifizierte Mitarbeiter vom Maschinenring garantieren eine norm-und fachgerechte Durchführung der Baumpflegearbeiten.

Text Hansjörg Preims

Man habe in den letzten Jahren „intensiv auch daran gearbeitet, die Qualität der Baumpflege – ein großes Standbein unseres Bereichs Baummanagement – nach den neuesten Erkenntnissen der Baumpflegetechnik und der Wissenschaft kontinuierlich zu steigern“, sagt DI Benjamin Knittl, Projektleitung Baumkataster der Maschinenring-Service NÖ-Wien. „Unsere Baumpfleger müssen einen Ausbildungsgrad haben, der gewährleistet, dass die Arbeit an den Bäumen dem Stand der Technik und der Normen entspricht.“ Im Zuge dessen konnten auch immer mehr Kunden akquiriert werden, die der Maschinenring von der Baumpflege bis hin zur Beratung bezüglich Neupflanzungen betreut – mit hochqualifizierten Mitarbeitern, die eine norm-und fachgerechte Durchführung der Baumpflege garantieren. Zum einen viele große Kunden wie die ÖBB, die BUWOG oder die Wiener Sportstättenbetriebs GmbH (Dusika Stadion, Ernst Happel Stadion, Stadionbad) sowie österreichweit viele große Gemeinden, welchen neben der Baumkontrolle – wenn es gewünscht wird – auch die Baumpflege angeboten wird. Allein im Wiener Stadionbad und rund um die Stadien betreut der Maschinenring einen Baumbestand von über 1400 Bäumen. Neben den großen Infrastrukturbetrieben und großen Gemeinden nehmen aber auch Privatkunden, Hausverwaltungen und Wohnbaugenossenschaften sowie kleinere Gemeinden diese Dienstleistung in Anspruch.

Sicherheit von Personen hat oberste Priorität

Benjamin Knittl

DI Benjamin Knittl, Projektleitung Baumkataster der Maschinenring-Service NÖ-Wien: „Wir sind alle sehr bemüht, uns ständig weiterzubilden, um immer auf dem neuesten Stand der Technik zu sein.“

Wobei im Optimalfall im Vorfeld der Baumpflegearbeiten eine Baumkontrolle stattgefunden hat, sprich: ein entsprechend zertifizierter und ausgebildeter Kontrolleur hat sich die Bäume angeschaut und bewertet und je nach festgestellten Schadsymptomen eine Maßnahmenempfehlung abgegeben, aufgrund welcher das Angebot kalkuliert wird. Wird dieses angenommen, wird auf Basis der Maßnahmenempfehlungen dann die Baumpflege durchgeführt. Nach deren Erledigung dokumentiert der Baumpfleger jede einzelne Maßnahme und bestätigt mit seiner Unterschrift, dass die Arbeiten gemäß der ÖNORM und fachgerecht erledigt worden sind. Diese unterzeichnete Liste bekommt natürlich auch der Kunde, der damit seinerseits nachweisen kann, dass die Maßnahmen ordnungsgemäß durchgeführt worden sind und dass die Haftung wieder bei dem jeweiligen Baumpflege- und Kontrollunternehmen liegt. Diese Maßnahmenvergabe und -durchführung ist also auch haftungsrechtlich relevant, denn wenn die vom Baumkontrolleur angeordnete Frist für die Pflegemaßnahmen nicht eingehalten wird und nach Ablauf dieser Frist ein Unfall passiert, liegt die Haftung wieder beim Baumeigentümer.
Von daher ist Baumpflege ein Ganzjahresgeschäft. Knittl: „Grundsätzlich sollte man den Baum im Winter, wenn er in seinen Möglichkeiten, auf äußere Einflüsse zu reagieren, eingeschränkt ist, nach Möglichkeit in Ruhe lassen. Wenn aber die Verkehrssicherheit nicht gewährleistet ist, gilt dieser Grundsatz nicht, die Sicherheit von Personen steht über der Sicherheit des Baumes.“ Baumschnitte würden also das ganze Jahr über durchgeführt, wenn aus Sicherheitsgründen erforderlich, eben auch im Winter. So könne es zum Beispiel sein, dass an einem Baum – wenn der Baumkontrolleur einen entsprechenden Dringlichkeitsgrad festgestellt habe – innerhalb von zwei Wochen schon die Pflegearbeiten durchgeführt werden müssten.

Vom Ahorn bis zur Zeder

Dabei haben es die Baumpfleger mit jeder Baumart zu tun, die bei uns wächst, vom Ahorn bis zur Zeder – und mit jeder Alters- und Problemstufe. Ein etwas problematischer Baumbestand sei zum Beispiel der bei einem großen Kunden in Wien: „Dort“, so Knittl, „stehen sehr viele alte Hybridpappeln, die mittlerweile an ihrer physiologischen Altersgrenze angekommen sind und dementsprechend mehr Probleme machen als junge Bäume.“ Die Maßnahmendurchführung und die Art, wie man schneide, sei zwar nicht unbedingt von der Baumart abhängig, „sondern vielmehr davon, welche Maßnahmen notwendig sind, damit die Sicherheit gegeben ist. Aber es ist natürlich so, dass bei älteren Bäumen Schnitte problematischer werden, weil diese Bäume auch weniger gut in der Lage sind, auf diese Eingriffe zu reagieren und diese zu verschließen.“ Bei jungen Bäumen könne man, wenn man früh genug den Schnitt durchführe, dadurch späteren Fehlentwicklungen vorbeugen. Dementsprechend erspare man sich Geld und Probleme mit dem Baum.
Eine klassische Fehlentwicklung ist, wenn Triebe vorhanden sind, die bei Wind aneinander reiben und durch diese Reibung eine Wundfläche entsteht, die nie ganz abgeschottet werden kann. In weitere Folge entsteht an dieser Stelle eine Fäule, was in Zukunft die Wahrscheinlichkeit des Ausbrechens deutlich erhöht. Grundsätzlich, so Knittl, seien Bäume zwar Individuen, aber mit einer Kronenform, die der jeweiligen Baumart entspreche. „Und wenn man sieht, dass sich zum Beispiel die Kronenform nicht der Baumart entsprechend entwickelt, kann man im Vorfeld pflegerisch eingreifen bzw. durch Schnittmaßnahmen verhindern, dass sich in weiterer Folge Stellen entwickeln, die problematisch werden könnten.“

Schnitttechnik nach neuesten Erkenntnissen

Wobei die Schnitttechnik heute eine ganz andere ist als früher, als stammparallele Schnitte die Regel waren. Heute wird so geschnitten, wie der Baum, wenn er selber den Ast verlöre, anfinge, Wundholz zu bilden und die Verletzung abzuschotten. „Das heißt, heute wird bei der Baumpflege sehr darauf geachtet, wie der Baum selber auf eine Verwundung wie zum Beispiel einen Astausbruch reagieren würde, und dementsprechend werden die Schnittführungen gemacht“, erklärt Experte Knittl. Wann ein Baum geschnitten werden soll, sei in der Fachwelt ein heiß diskutiertes Thema und könne von Baum­art zu Baumart unterschiedlich sein, „grundsätzlich aber herrscht zur Zeit  die Fachmeinung vor, dass man in der Vegetationszeit, also von Mai bis September, schneiden kann oder soll, weil  der Baum in dieser Zeitspanne besser in der Lage ist, auf Verwundungen zu reagieren und diese abzuschotten.“ Im Winter also eher nicht, „es sei denn aus den erwähnten Gründen der Sicherheit für den Menschen – und auch mit ein paar sonstigen Ausnahmen wie zum Beispiel bei Bäumen mit klassischem Kopfbaumschnitt oder bei Bäumen mit besonders starkem Saftfluss wie der Birke, dem Ahorn und dem Nussbaum, die erst etwas später im Jahr geschnitten werden sollten, weil der Saftverlust dann geringer ist.“
Im Optimalfall lasse man den Baum freilich in Ruhe, weil es von seiner genetischen Ausstattung so sein sollte, dass er ohnehin wisse, wie er zu wachsen habe. Wenn der Baum keine Symptome für ein Problem zeige, sei es – außer bei Obstbäumen, die auf Ertrag geschnitten würden – nicht notwendig und auch nicht Stand der Technik und nicht fachgerecht, einen Schnitt durchzuführen.

Baumkronenpflege und Kronensicherung

Zu den klassischen Baumpflegearbeiten gehört auch die Baumkronenpflege – im Endeffekt eine Weiterführung der Jungbaumpflege. „Das heißt, dass beim Altbaum begonnen wird, reibende und sich kreuzende Äste sowie Totholz zu entfernen, wo beim Jungbaum versäumt wurde, diese Arbeiten durchzuführen“, so Knittl. Ebenso klassische Baumpflegearbeiten sind die Erstellung des Lichtraums an Straßen, damit der Fußgänger- und Fahrzeugverkehr ungehindert stattfinden kann, sowie die Kronensicherung, wo ein geschädigter Baum zum Beispiel mittels eines Seilverbundes so gesichert wird, dass eine Bewegung des geschädigten Bereiches verhindert oder zumindest so begrenzt wird, dass keine weiteren Schädigung bzw. kein Ausbruch stattfinden kann. Und wo es nicht mehr anders geht, führen die Maschinenring-Mitarbeiter natürlich auch Rodungsarbeiten durch.
Zugangshilfsmittel der Baumpfleger sind, abhängig vom Standort des Baumes und dessen Zugänglichkeit, die seilunterstützte und entsprechend gesicherte Klettertechnik, wo die Platzverhältnisse so beengt sind, dass die Zuhilfenahme einer Hebebühne nicht möglich ist, oder eben die Hebebühne, wo es möglich ist, zuzufahren. Wenn aufgrund der Platzverhältnisse Äste nicht einfach fallengelassen werden können, sondern vorsichtig abgelassen werden müssen, um Nachbarbäume oder Gebäude nicht zu beschädigen, wird die seilunterstützte Baumabtragung durchgeführt.

Ständige Weiterbildung

„Für diese Kletterarbeiten ist auch eine entsprechende Ausbildung notwendig, es gibt stufenweise aufeinander aufbauende Seilkletter- und Riggingtechnikkurse für die Eignung zum Arbeiten in diesen Höhen“, betont Knittl. Auch müssten die Baumpfleger entsprechende physische und psychische Fitness für diese verantwortungsvolle und nicht ungefährliche Arbeit aufweisen. Jedenfalls seien beim Maschinenring „alle sehr bemüht, uns ständig weiterzubilden, wir besuchen Fachtagungen, sowohl die Baumkontrolleure als auch die Baumpfleger, um immer auf dem neuesten Stand der Technik zu sein.“ Auch bei den einschlägigen Zertifizierungen sei es immer wieder notwendig, sich zu rezertifizieren, um nachweisen zu können, dass man auf dem Stand der aktuellen Technik und Wissenschaft sei. Denn in diesem Bereich könne sich sehr schnell sehr viel ändern, wie auch ein aktuelles Beispiel zeige: Das Eschentriebsterben – eine Krankheit, welche die Eschen zum Absterben bringe. Hier habe man bis vor kurzem noch angenommen, dass das keine Auswirkungen auf die Standsicherheit habe. Nach genaueren Untersuchungen sei man jedoch draufgekommen, dass der von dieser Krankheit befallene Baum sehr wohl auch sehr schnell umfallen könne. „Dies als Beispiel dafür, wie wichtig es sowohl für den Baumkontrolleur als auch für den Baumpfleger ist, immer am aktuellsten Erkenntnisstand zu sein, um auch entsprechend handeln zu können“, so Knittl.

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