„Auch Erwachsene können eine Lehre nachholen“

Auch in der Schweiz rechnen wir damit, dass es schwieriger werden wird, die richtigen Leute für die Reinigung zu finden. Unser Ansatz deshalb: Förderung der Aus- und Weiterbildung.

Jürg Brechbühl

Jürg Brechbühl

In der Schweiz können wir im Moment noch keine Personalverknappung bei den Reinigungskräften feststellen. Dies wird auch durch die Arbeitslosenstatistik des Bundes belegt, die für die Reinigungskräfte in den letzten Jahren eine Arbeitslosenquote zwischen 6 und 7 % ausweist. So ist die Reinigungsbranche bisher von der seit diesem Jahr geltenden Stellenmeldepflicht ausgenommen. Mit diesem Vorgehen setzt die Schweiz den mit einer Volksinitiative geforderten Vorrang inländischer Personen bei der Stellensuche um. Ab dem 1. Januar 2020 wird die Grenze allerdings von 8% auf 5% gesenkt. Damit werden auch wir Unternehmen in der Reinigungsbranche freie Stellen für Reinigungsmitarbeitende nicht mehr freihändig besetzen können, sondern müssen diese zuerst auf der zentralen Stellenmelde-Plattform ausschreiben. Unternehmerische Flexibilität und Handlungsfreiheit werden dadurch eingeschränkt. Welche Konsequenzen dies im Alltag haben wird, wird sich zeigen.

Genügend Bewerbungen zu haben, bedeutet jedoch nicht unbedingt, dass es leicht ist, genügend gute Mitarbeitende zu finden. Hier sind wir in der Branche und als Unternehmer seit jeher gefordert. Auch wir rechnen damit, dass es noch schwieriger werden wird, die richtigen Leute zu finden. Mit technischen Effizienzsteigerungen werden wir einiges davon abfangen können. Wir bleiben schlussendlich ein «People Business» und brauchen zunehmend engagierte Mitarbeitende. Unser Ansatz deshalb: Förderung der Aus- und Weiterbildung.
Mit dem neuen Gesamtarbeitsvertrag, der seit Ende 2018 in Kraft ist, konnten wir einem 80-Lektionen-Lehrgang einführen. Dieser wurde von Fachleuten aus den Unternehmen für unsere Bedürfnisse massgeschneidert. Wir haben damit einen weiteren Meilenstein in der Ausbildung unserer Mitarbeitenden erreicht. Diese profitieren nach der Absolvierung des Lehrgangs von CHF 1 mehr Stundenlohn. Für viele von ihnen ist es aber vor allem ein nächster Schritt in verantwortungsvollere Teamleitungs-, Vorgesetzten- und Objektleitungsfunktionen.
Mehr Sorge bereitet uns die Rekrutierung von Lernenden. Hier hören wir von immer mehr Firmen, die ihre Lehrstellen nicht besetzen können. Damit stehen wir nicht alleine. Die geburtenschwachen Jahrgänge und der Trend weg vom Handwerk hin zur Akademisierung stellen sehr viele Branchen vor große Herausforderungen. Als Verband investieren wir viel, um den Beruf als solchen bekannter zu machen und seine Aufstiegschancen aufzuzeigen. Im vergangenen Jahr konnten wir mit einer attraktiven Präsenz an den SwissSkills 2018 (schweizweite Berufsmesse mit 135 Berufen und 70 Meisterschaften) und der Durchführung der ersten Schweizermeisterschaft der Gebäudereiniger nicht nur die über 120.000 Besucher direkt erreichen, sondern wurden über unsere begleitenden Kommunikationsmassnahmen auf den Social Media Kanälen von einer halben Million Leuten wahrgenommen. Unsere Teilnehmenden haben ihren Beruf und ihre Arbeit mit Stolz präsentiert und beste Werbung dafür gemacht.
Erwähnen möchte ich, dass es die Möglichkeit gibt, auch als Erwachsener eine Lehre nachzuholen. Gerade in unserer Branche haben wir viele langjährige Mitarbeitende, die damit einen wichtigen Schritt machen können. Immer mehr Firmen erkennen das Potenzial, und so haben wir aktuell in der Deutschschweiz drei Klassen mit «alten» Lehrlingen.

Die Ressource „genügend qualifiziertes Personal“ ist eine Herausforderung, der wir mit starker Präsenz in der Aus- und Weiterbildung begegnen wollen.

Jürg Brechbühl ist Head of Key Account Management bei Vebego AG und Präsident vom Verband Schweizer Reinigungs-Unternehmen, der Allpura.

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